der ganz normale Wahnsinn
von Avialle
Danke für eure treuen Besuche, es geht mir gut und alles ist in Ordnung. Ich habe mich im Job etwas eingelebt, nun meinen eigenen Saal und langsam auch das Gefühl, ich könnte das wirklich irgendwann mal ganz gut machen. Natürlich bin ich schon das eine oder andere Mal auf die Nase geflogen, habe mich von Operateuren oder anderen Abteilungen verarschen lassen, bin in Fallen gelaufen, die ich mit der wenigen Erfahrungen nicht vorhersehen konnte. Merke: Wenn ein Patient mit Larynxmaske & Gasnarkose eine Apnoe für mehrere Minuten benötigt, weil eine Fremdabteilung das will, sollte man bei leberenzyminduzierten Patienten etwas Propofol dazugeben. Denn aus 30 Sekunden werden bei Nicht-Medizinern schnell mal 3 Minuten und dann kann es sein, dass die Narkose zu flach wird. Mit Bronchospasmus. Und einem Oberarzt, der dann unter widrigen Bedingungen intubieren muss. Meeeh, ich wollte eh gleich einen Tubus. Oder eine TIVA. Oder keine Apnoe. Aber ich habe da nunmal nichts zu wollen.
Was mir im PJ nie so aufgefallen war: es gibt sehr große Unterschiede bei der Anästhesiepflege. Manche Schwestern und Pfleger sind einfach super, lenken Oberärzte in die Richtung, die ich möchte, richten vorausschauend, denken mit, nehmen einen Ernst und geben Tipps, wenn man sich unsicher ist. Es gibt eine Hand voll, die ich wirklich großartig finde und denen ich auch mein eigenes Leben anvertrauen würde. Allerdings hatte ich auch schon das Vergnügen mit denen, die ihre Arbeit nicht so ernst nehmen. Die einfach die ganze Zeit weg sind, ohne sich abzumelden. Die wenn sie da sind nur am Handy spielen, nicht mitdenken, Drei-Wege-Hähne nicht umdrehen, Antibiotika so mischen, dass ewig kleine Klümpchen drin sind (die schießen theoretisch Embolien). Nicht wirklich fahrlässiges, aber lästiges Verhalten. Ich habe genug mit mir zutun, da muss ich nicht auch noch unbedingt für meine Pflege mitdenken. Und meistens fühlen diese sich dann auch noch angegriffen, wenn man ihre Arbeit überprüft. Medis ohne Aufkleber wegschmeißt, das Narkosegerät lieber noch einmal selbst testet, Leistungen und Schläuche sichert, Arme neu lagert. Mittlerweile bin ich da schmerzlos, sollen sie sauer sein, es ist meine Verantwortung und sie könntne ihre Arbeit ja auch zumindest so gewissenhaft erledigen, dass nicht jeder blutige Anfänger gleich die kleinen Schlampigkeiten erkennt, die sich nach Jahrzehnten offenbar manchmal einschleichen.
Neben der Arbeit geht es gerade auch turbulent zu. Bei dem ganzen Umzugsstress noch zu lernen, ist etwas schwierig und durch Knieprobleme lief mein Halbmarathontraining in den letzten Wochen auch nicht besonders gut. Der Sturz hat mehr kaputt gemacht als zunächst gedacht, sehr viel Stabi und Alternativtraining haben zumindest dafür gesorgt, dass ich wieder 2stellige Kilometerzahlen am Stück laufen kann. Das neue Fitty um die Ecke hilft mir sehr, auch wenn ich zurzeit meistens einfach nur noch schlafen will. Meine Mädels, die jetzt noc Examen machen, haben leider kein Verständnis dafür, dass ich in der Woche abends nichts mehr mit ihnen unternehmen kann und an den Wochenende haben sie nie Zeit – obwohl sie doch EXTRA ein Lernsemester nahmen und im November mit dem Lernen begannen, damit sie die Wochenenden frei machen können. Jaja, bin mal gespannt, wie die kurz vorm Examen drauf sind. Dass sie mir beim Umzug helfen, habe ich gleich angezweifelt, als eine es anbot – da weiß ich lieber vorher voran ich bin und manage den Umzug allein mit meinem Vater.

Ohje, das klingt Stellenweise schon ziemlich nervig.:/
V.a. das mit der Pflege, das ist mir während meiner Psychiatrie-Famulatur auch aufgefallen, dass die Teilweise garnicht merken, dass die Ärzte die Verantwortung übernehmen müssen und dann sauer sind, wenn ihre Entscheidung/Meinung nicht anerkannt wird.(Bspw. bei Zwangsmedikation oder ähnlichem)
Aber schön, dass du dich langsam einlebst, v.a. am Anfang kann man ja garnicht alles richtig machen und jedem Recht.:)
Ich glaub du machst das alles ziemlich gut und lebst dich schnell auch noch besser ein.;)
Gute Besserung auch fürs Knie und bis hoffentlich zum baldigen neuen Eintrag.:P
Ich lasse mich ja gerne beraten von erfahrenen Pflegern und Schwestern und kann auch die gelangweilten, faulen irgendwo verstehen, aber schlampig arbeiten und dann beleidigt sein, geht einfach gar nicht. Es wird immer erstmal meine Schuld sein, wenn ein falsch beschriftetes Medikament fälschlicherweise gegeben wird. FDas selbe gilt für Oberärzte, die einen zwingen irgendwas weniger sicher zu machen (weils bequemer oder billiger ist) und wenn´s schief geht sagen alle erstmal “Warum haben Sie das denn zugelassen, Sie hätten doch ablehnen können!” Jaaaaa sicher, in seiner 6 Woche lehnt man bestimmt irgendwas ab, was der OA sagt und muss dann wegen Arbeitsverweigerung zum Chef. -.- Man kann nur hoffen, dass alles gut läuft.
Danke für die guten Wünsche
Gerade in der Anästhesie und auf Intensiv trifft man oft kleine Hilfsärzte, die leider keine sind.
Sicher wissen viele viel, einfach weil es schon seit 30 Jahren machen und nicht erst seit 30 Tagen und oft tut man gut daran, auf sie zu hören.
Aber ich glaube jeder, der nicht mehr ganz taufrisch in der Anästhesie arbeitet kann Dir da ein Lied von singen….
Du darfst halt nie vergessen, das Du das Narkoseprotokoll unterschreibst und im Zweifelsfall Deinen Arsch dafür hinhälst.
Zum Thema Oberarzt hilft es “nach Rücksprache OA XYZ blabla…” zu dokumentieren, schließlich Arbeitest Du als Nicht-FA unter seiner Aufsicht und, zumindest rein formal, auch nach seiner Anweisung. Da kann auch gern aus dem Protokoll hervorgehen, das bestimmte Dinge nicht auf Deinem Mist gewachsen sind.
Ich wünsch Dir viel Spaß im -wie ich finde- tollsten Job der Welt!
Juchhu, sie lebt! ;o)
jaaaaa
Schön, wieder was von dir zu hören
Finde deine Arbeitserlebnisse sehr spannend, bitte mehr davon!
Liebe Avialle:
1. schön dich zu lesen
2. nach ein paar Monaten stellt sich sowas wie ein Leben neben der Klinik wieder ein…
3. es gibt leider immer irgendwo die paar Idioten bei der Arbeit. Lass dich nicht von denen unterkriegen. Genau die gleichen werden sich später bei dir total einschleimen.
Ich bin sicher du machst das gut! Und ich bin gespannt auf Neuigkeiten! Aber nur, wenn hier nicht der Chirurgen-Bashing-Trend fortgesetzt wird, den ich mir immer schon bei der Chaosheldin anhören muss. Wir haben auch Gefühle!!
Ich verstehe nur die Hälfte, finde es dennoch sehr spannend.
Weiterhin viel Spaß im Arbeitsleben!
Das mit der Pflege habe ich auch schon gemerkt. Einige teilen ihre Erfahrung gerne mit, machen einen auf Kleinigkeiten aufmerksam, geben Tipps und Tricks mit, und versuchen tagtäglich ihr Bestes zu geben, für die Ärzte, für die Kollegen und v.a. für die Patienten. Anderen ist wirklich alles egal, und schlampen was das Zeug hält. Ich bin noch immer entsetzt ob dieser unheimlichen Ignoranz, und das obwohl ich noch nicht einmal die 1. ÄP gemacht habe…
PS: Schön dass du wieder schreibst
LG & gute Besserung! – Mae
“Danke für eure treuen Besuche, es geht mir gut und alles ist in Ordnung. Ich habe mich im Job etwas eingelebt, nun meinen eigenen Saal und langsam auch das Gefühl, ich könnte das wirklich irgendwann mal ganz gut machen. Natürlich bin ich schon das eine oder andere Mal auf die Nase geflogen, habe mich von Operateuren oder anderen Abteilungen verarschen lassen, bin in Fallen gelaufen, die ich mit der wenigen Erfahrungen nicht vorhersehen konnte.” – schön mal wieder was von dir zu lesen, liebe Avialle. Gute Besserung weiterhin.
Viele herzliche Grüße
Andrea
Ich schließe mich an: Schön wieder von dir zu lesen!! Und lass dich nicht unterkriegen!
Liebe Grüße, das ex-Emergencgirl
Was sind eigentlich “leberenzyminduzierte Patienten”?? -Patienten mit hohen Leberenzymen? Und sind Chirurgen “Nicht- Mediziner”…?? Nur so nachgefragt, ist vielleicht sogar so, ich halte es jedenfalls für möglich…
Ja, beim Pflegepersonal gibt es Riesen- Unterschiede, musste ich auch sehr bald feststellen. Bei den einen sollte man schon sehr genau hinhören wenn die was sagen und die anderen sind…nun ja, eben wirklich manchmal/ meistens richtig dumm.
Alles cool? Gibts dich noch?
Hallöchen
nun bin ich auch auf Deinen Blog gestoßen und werde weiter dranbleiben!
Werde gleich heut im Nachtdienst mal weiterlesen was alles so passierte
Zum Thema Pflege möchte ich nur sagen, dass du natürlich völlig Recht hast. Ihr Ärzte müsste die Verantwortung übernehmen. Das ist in jeder Abteilung so! Aber lass dich nicht verunsichern. Wenn Sie sauer sind weil Du sie überprüfst dann sollten Sie sich lieber mal nen Kopf machen wieso das so ist!
Meine Ärzte müssen nichts kontrollieren, was ich aufzieh´, welchen Tubus ich reiche oder wie die Beatmung eingestellt ist. -> können Sie aber gern machen, weil es ja schließlich im Endeffekt Ihre Verantwortung ist
Also bleib so und Du wirst Deinen Weg machen
Ich wünsch Dir alles liebe und bin gespannt auf neue Beiträge!
Lg
GC