Nachtgedanken

von Avialle

Oh man. So viele Kommentare, so viele liebe Glückwunsche, knapp 200 Besucher allein heute. Und das alles, obwohl ich ewig nichts mehr gebloggt habe. Ich bin ehrlich, ich hatte eigentlich vor euch nun mitzuteilen, dass ich das Blog erst einmal schließe. Vielleicht für immer. Ich hatte in den letzten Wochen einfach so viel um die Ohren und muss sagen, ich hatte nicht das Bedürfnis alles niederzuschreiben. Unregelmäßig schreiben, eigentlich nichts zu berichten haben, ganz am Anfang, keine Ahnung und eigentlich so viel Besseres zutun als hier Anerkennung zu erhalten, die ich eigentlich nicht einmal verdiene. Nicht einmal ansatzweise.

Trotzdem war ich schlichtweg überwältigt von euren lieben Worten und möchte euch doch irgendwie auf dem Laufenden halten. Wo doch alle so oft an mich geglaubt haben, ständig aufbauende Zeilen daließen, wenn mir mal wieder alles über den Kopf zu wachsen drohte. Nun beginne ich im Februar zu arbeiten, ich müsste dringend ausschließlich die Doktorarbeit schreiben, täte gut daran in ein Anästhesiebuch zu schauen.

Momentan passiert nichts spannendes, ich hatte eine schöne Absolventenfeier, zu der meine Eltern extra herfuhren und mich danach mit nach Hause nahmen. Weihnachten und Silvester waren ruhig und gemütlich, ich traf alte Schulfreunde wieder, redete sehr viel mit meinen Eltern, trieb viel Sport, schlief und machte schöne Dinge wie einkaufen, kochen und backen, Romane lesen, zeichnen. Es geht mir derzeit sehr gut, ich freue mich auf den Job, auch wenn ich mir keine unrealistisch großartigen Erwartungen mache. Es wird hart, man ist am Anfang immer verloren, wird ins kalte Wasser geschubst. Es bleibt nur zu hoffen, dass man schwimmt und das möglichst schnell…

Nein, ich schließe das Blog nicht. Ich werde euch weiter berichten. Vielleicht seltener als früher, eventuell abstrakter und ohne reißerische Patientenstories. Über manche “Neublogger” im Bereich der Medizin kann ich nämlich was Datenschutz und Pathos angeht nur müde lächeln und mit dem Kopf schütteln. FSJler, Pflegeschüler & Studenten, die beschreiben wie sie bei “allen wichtigen OPs immer direkt dabei” sind oder wie “wundervoll” doch eine Sectio ist. Man kann alles pathetisch schönreden, auch einen kläffenden Hund, der auf die Straße scheißt. Das werde ich nicht tun, denn das ist fern ab jeglicher Realität, dafür kann man Arztserien im Fernsehen anschauen.

Es wird weiter meine Erlebnisse und Sicht der Dinge geben, ungeschönt, subjektiv und vor allem ohne jeglichen Anspruch auf Richtigkeit oder Expertenwissen. Ich bin keine Expertin für irgendwas, ich bin nun Assistenzärztin für Anästhesie und Intensivmedizin im 1. weiterbildungsjahr. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Danke für euer Verständnis. <3

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