Der Hammer

von Avialle

Den schriftlichen Teil endlich geschafft. So richtig freuen konnte ich mich erst , als ich wusste, dass es wirklich gereicht hat und ich mal wieder ausgiebig schlafen konnte. Erst dann viel der riesen Stein vom Herzen. Denn die meiste Zeit war es einfach nur anstrengend.

Die vier Wochen vorher habe ich damit verbracht, die letzten Examina zu kreuzen und meinen Wiederholungsplan abzuarbeiten. Frustrierend war, dass man eigentlich nie alles schafft und immer mehr anhäuft auf der geistigen “Das muss ich mir unbedingt nochmal ansehen!”-Liste. Zum Glück kreuzte ich den letzten Tag des Examens 4/11 am Freitag und hatte so das ganze lange Wochenende, um meine Berge von Zetteln, Karteikarten, Bücher und PC Scripte durchzusehen.

An selbigem Freitag kamen auch meine Mitbewohner aus dem Urlaub und waren wohl eher erstaunt, dass ich trotz allem recht ruhig wirkte und ihre Blumen nicht vertrocknet waren. Auch die Wohnung war einigermaßen geputzt. ^^ Wir verstanden uns sehr gut und tun dies noch immer – ich denke der Urlaub zu zweit hat ihnen gereicht was “aufeinander hängen” angeht und sie sahen nun, dass ich wirklich lernen musste und nicht nur so tue. Jedenfalls fuhren sie beide gleich wieder zu ihren Eltern und kamen erst am Montag wieder. Die Ruhe kurz vor dem Sturm konnte ich nochmal gut gebrauchen.

Vom Kopf her war ziemlich ruhig, denn wenn wirklich was schief läuft, reißt man das Ruder nach 3 Monaten lernen nicht in ein paar Tagen herum. Trotzdem konnte ich die Nacht vor Tag 1 kein Auge zutun, weil mein Puls und Blutdruck so hoch waren. Ich hörte es in meinen Ohren rauschen und musste stündlich zur Toilette. Also ging ich ohne geschlafen zu haben zum Treffpunkt, an dem ich abgeholt werden sollte. Vor dem mündlichem Physikum war es ähnlich und mir war klar, dass ich dort schon nicht einschlafen werde. Die Mutter einer Kommilitonin nahm mich und eine weitere Freundin mit, so war man nicht allein und baute auch keinen Unfall auf dem Weg zur Prüfung. Wir wurde nämlich aus Platzgründen auf die umliegenden Dörfer verteilt – ich schrieb in einer Turnhalle.

Die Gruppe waraber klein und nett, vielleicht 50 Leute und alle quatschten vorher, als müsste wir nicht gleich 5 Stunden zeigen, was wir gelernt haben. Als wir reindurften war ich mehr damit beschäftigt an der richtigen Stelle zu unterschreiben, meinen Platz zu finden und mein Arsenal an Süßigkeiten herauszukramen. Selbst als nach dem üblichen Blabla die Aufgabenhefte verteilt wurden, war ich eher ruhig und konzentriert, daher liefen auch schon die ersten Aufgaben ziemlich gut (anders als im Pysikum >.<). Man hatte einfach so viel gekreuzt und so viele dieser bunten Hefte schon gesehen, dass es sich kaum wie “the real deal” anfühlte, sondern eher wie “ich kreuze heute mal woanders und mit vielen anderen zusammen.”

Dies war wohl nicht die schlechteste Voraussetzung, denn nach Tag 1 hatte ich eigentlich kein sonderlich schlechtes Gefühl. Mir lagen die Fälle und auch die Einzelfragen waren ok. Wir rätselten noch, was wohl am 2. Tag drankäme, sicher das Psychiatrie und Päd eigentlich vom Tisch sein müsste. Also wiederholte ich daheim Neuro und Orthopädie, auch etwas Innere. Bei Tag 2 hatte ich geschlafen wie ein Baby und war recht guter Dinge.

Und was kam dran? Ein zweiter Psychiatriefall und schon wieder nur Kinder! Psychiatrie liegt mir, daher empfand ich es nicht als schlimm, aber viele stöhnten darüber und fanden es unfair. Hart waren die Einzelfragen in z.B. Urologie oder auch Gyn. MRSA als Fall mit Spezialfragen zu Antibiotika war jetzt auch nicht gerade der Knaller. Schlecht gelaunt verließ ich nach 4 Stunden den Saal, draußen war es kalt und windig, alle waren mies drauf. Und hinter sich hatte man das ganze auch noch nicht. Tag 2 war blöd.

Am 3. Tag konnte man sich wenigstens freuen, dass man 5 Stunden später endlich durch war mit allem. Nun müsse ja mal Neuro drankommen und Rechtsmedizin, das war allen klar. Aber anstatt eines Falls gab es in Neuro nur Einzelfragen, außerdem welche in Psychiatrie (!) irgendwie waren die Patienten schon wieder alle unter 18 – es fühlte sich jedenfalls so an. Es war einfach ein sehr einseitiges Examen mit z.T. sehr bescheuerten Spezialfragen in Notfall- & Intensivmedizin (wo ich ja eigentlich hätte punkten können) und ganzen 2 Fragen zu Allgemeinchirurgie. Dafür jede Menge Pharma, aber auch nette Fälle wie Diabetes Mellitus und Mamma Ca.

Ausgewertet hatte ich erst am 3. Tag als alle Ergebnisse bei Medilearn online waren (kein offizielles Ergebnis, eine Expertengruppe löst die Aufgaben mit Büchern), und demnach hat es bei mir sogar noch für eine gute 2 gereicht. ^^ Es werden vielleicht noch weniger Punkte, weil das IMPP immer ein paar Fragen aus der wertung nimmt und Medilearn einige Prozent daneben liegt mit ihren Lösungen, es dürfte bei mir jedoch nicht allzuviel ausmachen. Von meinen Freunden waren einige enttäuscht über ihre 3en, aber das Examen war so schwer und komisch, dass man meiner Meinung nach völlig zufrieden sein kann, überhaupt bestanden zu haben. Lerntipps gibt´s dann im nächsten Betrag für alle, die diese Hürde noch vor sich haben. Einige haben eventuell Glück, denn es gibt Überlegungen, das Hammerexamen wieder abzuschaffen.

Aber wer weiß, was ersatzweise dann dafür kommt….O.o

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